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Linz: Protest gegen Postamtschließung PDF Drucken E-Mail

Die Zusperrwelle, als Ergebnis der Privatisierungspolitik, rollt über Österreich. Allerorten werden „die Bedürfnisse der Menschen am Altar des Profits geopfert“, so Martin Wieland vom Sprecherrat der SPÖ- Linke in seiner Pressemeldung zur drohenden Schließung des Postamts im Linzer Stadtteil Spallerhof, der von dieser Welle von auch heimgesucht wird.

Empörung und tiefes Bedauern der Bevölkerung imponieren den Verantwortlichen genauso wenig, wie die mehr als 3.000 Unterschriften gegen die Schließung des Postamtes, die die SPÖ-Sektionsobfrau Regina Traunmüller, gemeinsam mit Pfarrer Franz Zeiger und der Kaufmannschaft des EKZ Muldenstraße, in wenigen Tagen gesammelt und an Hr. Direktor Dr. Pölzl geschickt hat.

Nach dem Motto: „Nicht einmal ignorieren“ blieb dieser Protest erwartungsgemäß ohne Antwort.

 

Dies stärkte uns alle in dem Entschluss, mit einer Demonstration ein deutliches Zeichen gegen die Zusperrpolitik zu setzen!

 

Als Termin wurde der Samstag, 3. Juli, ab 8:30 Uhr festgesetzt. An der Ecke Muldenstraße/Einsteinstraße fand unsere Protestkundgebung statt, unter dem Motto:

 

„Jetzt schlägt’s 13“

 

Die Vorbereitungen waren von Zusammenhalt und Solidarität geprägt. Regina Traunmüller teilte sich die Medienarbeit mit Pfarrer Franz Zeiger, Aktivisten der SPÖ-Linke halfen beim texten und gestalten der Plakate, Infoblätter und Flugblätter. Transparente wurden in Gemeinschaftsarbeit vorbereitet und hergestellt. Die Geschäftsleute des Einkaufszentrums brachten sich selbst mit Ideen und Aktionen ein. Sogar ein Gewinnspiel - mit Protesttext und von der Kaufmannschaft gespendeten Preisen - wurde organisiert.

 

Bei strahlend schönem Sommerwetter fanden sich die rund 100 Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Kundgebung ein: Neben den Bewohnern und Bewohnerinnen des Stadtteiles zeigten sich auch Aktivisten aus anderen Linzer SP-Sektionen und Betriebsräte von Stadtbetrieben solidarisch. Sogar einen Welser konnten wir in unserer Mitte begrüßen: Christian Kenndler, Vorsitzender der Personalvertretung der Postler in Wels. Und auch Gottfried Zauner, Vorsitzender der Postgewerkschaft in Oberösterreich, war gekommen. Als besonderen Erfolg werten wir auch die Teilnahme von SPÖ-Bürgermeister Franz Dobusch, Vizebürgermeister Klaus Luger, Stadtrat Johann Mayr und der SPÖ-Nationalratsabgeordneten Sonja Ablinger an der Aktion.

 

Die vom Pfarrer mitgebrachte Verstärkeranlage wurde wegen technischer Probleme durch ein Megaphon ersetzt, was weder den Bürgermeister noch die anderen Redner davon abgehalten hat, beherzt gegen die völlig falsche Politik der Postliberalisierung aufzutreten. Die Aussichten auf Erfolg des Protestes wurden von den RednerInnen teils verschieden beurteilt. Martin Wieland zeigte die Perspektive der SPÖ-Linken auf: SPÖ-Infrastrukturministerin Doris Bures hätte es in der Hand, durch eine Verordnung jede weitere Postamtschließung zu verhindern und so Gelegenheit, die neue SPÖ-Kampagne „Zeit für Gerechtigkeit“ notfalls auch gegen den Widerstand des Koalitionspartners in ihrem Bereich umzusetzen. Martin Wieland forderte die bei der Kundgebung anwesenden SPÖ-Vertreter auf, in diesem Sinne auf Doris Bures einzuwirken. 

 

Um auch die vorbeifahrenden Autofahrer auf unsere Anliegen aufmerksam zu machen, haben wir diese durch Flugblattverteilaktionen auf der Straße laufend zu einem kurzen Anhalten veranlasst. Niemand zeigte sich darob verärgert, viele bekundeten ihre Solidarität.

 

Unsere Transparente mit Texten wie „NUR GEMEINSAM SIND WIR STARK“ oder „POST FÜR DIE MENSCHEN STATT GEWINNE FÜR DIE AKTIONÄRE“   „HR. DR. PÖLZL BRINGEN SIE MICH ZUM NÄCHSTEN POSTAMT ?“  regten zu heftigen Debatten an und gaben uns die Möglichkeit, auf die Zusammenhänge der verfehlten Politik hinzuweisen.

 

Um 10 Uhr fand ein lautstarker kurzer Marsch ins EKZ vor das mit Sonnenblumen geschmückte Postamt zur Solidaritätskundgebung der Kaufmannschaft des Einkaufszentrums statt. Mit Bratwurstgrillen, diversen Aktionen der Kaufleute, Musik und der Möglichkeit für Passanten, mittels Unterschrift den Protest zu unterstützen, ging die Aktion weiter. Auch Unterschriftenlisten der SPÖ Oberösterreich für die „Millionärssteuer“ lagen auf und wurden beworben.

 

Kurz vor eins begaben sich die Teilnehmer aus dem geschlossenen Einkaufszentrum auf den (danebenliegenden) Parkplatz um den angekündigten Lärm, der bildlich Wien erreichen sollte, zu veranstalten. Vuvuzelas, Trillerpfeifen, Ministranten- und Kuhglocken, Osterratschen und sogar ein altes Posthorn waren dabei. Zusätzlich hörten wir das Läuten der Kirchenglocken aller umliegenden Kirchen, eine Aktion, die Pfarrer Franz Zeiger organisiert hatte.

 

Bei dieser Abschlusskundgebung kam auch die Vizepräsidentin der Arbeiterkammer Christine Lengauer zu Wort und verkündete ihre uneingeschränkte Solidarität. Zu Guter letzt formulierte nochmals die Sektionsvorsitzende Regina Traunmüller die Perspektive des Widerstands: Sie hoffe, er würde sich bald zu einem „Flächenbrand“ in ganz Österreich ausweiten, um so die Politik der Liberalisierung umkehren zu können.

 

Die Stimmung bei den beteiligten Menschen war fast durchgehend gut, vor allem sehr erbittert gegen „die da oben“, die uns alles wegnehmen.

Für die meisten Stadteilbewohner war’s die erste Demo ihres Lebens vor ihrer Haustüre, deshalb haben sich einige auch erst einmal gar nicht getraut, sich richtig anzuschließen sind ein wenig abseits gestanden, um dann erst ins EKZ nachzukommen. Das Aufbegehren gegen die Obrigkeit gehört für die meisten eben nicht zur alltäglichen Selbstverständlichkeit. Deshalb wird es unsere Aufgabe sein, den Menschen zu zeigen dass wir nur dann etwas an den herrschenden Zuständen ändern können, wenn wir gemeinsam (solidarisch) aufstehen und kämpfen, bevor wir griechische Verhältnisse erreichen.

 

Elysa Waltner

 

 

Finden Sie es gerecht, dass ...

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